Wenn Sie einen Elektriker beauftragen, möchten Sie vorab wissen, welche Stundensätze realistisch sind und welche Faktoren die Rechnung am Ende treiben.
Grundlagen: So setzt sich der Stundensatz zusammen
Auf Rechnungen finden Sie meist den Stundenverrechnungssatz. Das ist nicht nur „Lohn pro Stunde“, sondern ein kalkulierter Betrag, in dem neben dem Bruttolohn auch Lohnnebenkosten, Weiterbildung, Werkzeuge, Messgeräte, Fahrzeug, Verwaltung, Gewährleistung und unternehmerisches Risiko stecken. Genau deshalb wirken Stundensätze auf den ersten Blick hoch – sie finanzieren die gesamte Leistung eines Elektrofachbetriebs, nicht nur die Zeit auf der Baustelle.
Als grobe Orientierung liegen viele reguläre Stundensätze im Handwerk häufig in einem Korridor von etwa 55 bis 95 Euro netto pro Arbeitsstunde. In Ballungsräumen, bei sehr spezialisierten Tätigkeiten oder bei erhöhter Haftung kann es darüber liegen; bei einfachen Arbeiten, längeren Einsätzen oder in ländlichen Regionen auch darunter. Für Notdienste (Abend/Wochenende) sind Aufschläge üblich, sodass der effektive Satz deutlich steigen kann.
Gerade bei einer Elektroinstallation im Neubau wird häufig nach einem einzelnen Stundensatz gefragt, obwohl die Gesamtkosten oft stärker von Planungstiefe, Ausstattung und Koordination abhängen. Für Sie als Auftraggeber ist daher wichtig, welche Positionen zusätzlich zur Arbeitszeit berechnet werden: Anfahrt, Rüstzeit, Kleinmaterial, Dokumentation, Messprotokolle oder Entsorgung. Außerdem lohnt sich ein Blick auf die Abrechnungseinheit: Manche Betriebe rechnen in 15-Minuten-Schritten ab, andere runden auf 30 Minuten.
Damit Sie Angebote für die Elektroinstallation im Neubau fair vergleichen können, bitten Sie um eine klare Trennung von Arbeitszeit, Material und Pauschalen. Ein seriöser Elektrofachbetrieb erklärt Ihnen außerdem, ob die Mehrwertsteuer bereits enthalten ist und ob es Mindestabrechnungen gibt (z. B. „erste Stunde voll“).
Ein weiterer Preistreiber ist die Komplexität: Fehlersuche, Arbeiten an Verteilungen, Messungen nach Norm oder Abstimmung mit Netzbetreiber und anderen Gewerken kosten nicht nur Zeit, sondern erfordern Erfahrung und Mess-Equipment. Je besser Sie vorbereiten (Zugänge frei, Pläne vorhanden, Entscheidungen zu Schaltern/Leuchten getroffen), desto weniger Zeit geht für Warte- und Suchaufwand drauf.
Begriffe schnell erklärt
- Stundenverrechnungssatz: Kalkulierter Satz pro Arbeitsstunde inkl. Gemeinkosten und Unternehmeranteil.
- Anfahrtspauschale: Fixbetrag für die Anreise; teils abhängig von Entfernung oder Zone.
- Rüstzeit: Zeit für Aufbau, Absicherung der Arbeitsstelle, Werkzeugbereitstellung und ggf. Abdecken.
- Abrechnungseinheit: Taktung der Zeiterfassung (z. B. 10/15/30 Minuten) und mögliche Rundungsregeln.
- Materialzuschlag: Aufschlag auf Einkaufspreise für Lagerhaltung, Beschaffung, Garantieabwicklung und Handling.
- Messprotokoll: Dokumentation von Messungen (z. B. Schutzleiter, Isolationswiderstand) zur Sicherheit und Normerfüllung.
- Unterverteilung: Kleinere Verteilung für einen Bereich (z. B. Etage), entlastet die Hauptverteilung.
- FI/RCD: Fehlerstromschutzschalter, der im Fehlerfall schnell abschaltet und so Personen schützt.
- Leitungswege: Geplante Trassen für Kabel/Leerrohre; beeinflussen Aufwand und spätere Erweiterbarkeit.
- Elektroinstallation im Neubau: Gesamtheit aus Planung, Leitungsverlegung, Verteilungen, Schutzmaßnahmen, Anschlüssen und Inbetriebnahme in einem neuen Gebäude.
So läuft die Kalkulation in der Praxis ab
Ob Sie einen transparenten Preis erhalten, hängt stark davon ab, wie gut der Leistungsumfang beschrieben ist. Folgende Phasen helfen, Kosten realistisch einzuordnen und unnötige Nachträge zu vermeiden.
Phase 1: Bedarf und Budget für die Elektroinstallation im Neubau klären
Notieren Sie frühzeitig, welche Funktionen Sie wirklich möchten: Anzahl Steckdosen je Raum, Netzwerkdosen, Beleuchtungskonzepte, Außenanschlüsse, Wallbox-Vorbereitung, Smart-Home-Wünsche, Überspannungsschutz. Je konkreter Ihre Liste, desto weniger „Schätzen“ muss der Betrieb – und desto belastbarer wird das Angebot, bevor die Elektroinstallation im Neubau ausgeschrieben wird.
Phase 2: Vor-Ort-Termin, Planung und Angebotsstruktur
Ein guter Betrieb fragt nach Bauplänen, Wandaufbauten und dem Zeitplan anderer Gewerke. Sinnvoll ist ein Angebot mit nachvollziehbaren Positionen: Arbeitszeitansatz (oder Pauschalen), Material nach Qualität/Hersteller, Sonderleistungen (Netzbetreiber-Anmeldung, Zählerplatz, Dokumentation). Achten Sie darauf, dass auch Nebenzeiten klar geregelt sind: Anfahrt, Einrichtung der Baustelle, Abnahme und Messungen.
Wenn Sie mehrere Angebote vergleichen, schauen Sie nicht nur auf den Stundensatz. Entscheidend ist, ob der Leistungsumfang gleich ist: Eine „billige“ Stunde wird schnell teuer, wenn wichtige Komponenten fehlen oder später als Nachtrag kommen. Fragen Sie im Zweifel schriftlich nach, welche Produkte und Normleistungen enthalten sind.
Phase 3: Ausführung, Koordination und Dokumentation
Während der Bauphase entstehen Kosten oft durch Unterbrechungen: fehlende Freigaben, geschlossene Wände, nicht verfügbare Materialien oder Terminverschiebungen. Klären Sie feste Ansprechpartner, entscheiden Sie Varianten früh und lassen Sie Änderungen sofort bepreisen. So bleibt die Elektroinstallation im Neubau planbar, und Sie vermeiden Überraschungen auf der Schlussrechnung.
Phase 4: Abnahme, Messungen und saubere Rechnung
Am Ende sollten Messungen und Schutzprüfungen dokumentiert sein. Prüfen Sie die Rechnung auf Transparenz: Sind Zeiten und Abrechnungstakte nachvollziehbar? Sind Materialpositionen verständlich? Gibt es Zuschläge (z. B. Notdienst) mit Datum und Anlass? Wenn die Angaben sauber sind, können Sie Leistungen auch bei späteren Erweiterungen oder Servicefällen leichter zuordnen.
Häufige Fragen, die vor der Beauftragung auftauchen
Welche Spanne ist bei Elektriker-Stundensätzen normal?
Als Orientierung gelten häufig etwa 55–95 Euro netto. Region, Spezialisierung, Auslastung und Haftungsrisiko können den Wert spürbar beeinflussen. Zuschläge für Arbeiten außerhalb der regulären Zeiten sind üblich.
Ist Anfahrt Arbeitszeit oder eine Pauschale?
Das ist betrieblich verschieden. Manche berechnen eine Anfahrtspauschale, andere rechnen Fahrzeit als Arbeitszeit ab. Lassen Sie sich die Regelung vorab schriftlich bestätigen, damit Sie Angebote korrekt vergleichen können.
Gibt es Festpreise statt Stundenabrechnung?
Ja, vor allem bei klar definierten Leistungen (z. B. Austausch einer Unterverteilung, Installation eines bestimmten Stromkreises). Bei unklaren Rahmenbedingungen (Altbau, Fehlersuche) ist eine Stunden- oder Mischkalkulation oft realistischer.
Was kostet eine Elektroinstallation im Neubau insgesamt?
Pauschale Zahlen sind schwierig, weil Größe, Ausstattungsniveau, Anzahl Räume, Außenbereiche und Zusatzwünsche stark variieren. Die Gesamtsumme für eine Elektroinstallation im Neubau hängt außerdem von Planungstiefe, Leitungswegen, Verteilkonzept und gewünschten Sicherheits- sowie Komfortfunktionen ab. Am verlässlichsten ist ein detailliertes Leistungsverzeichnis mit vergleichbaren Positionen.
Wie kann ich die Kosten spürbar senken, ohne an Sicherheit zu sparen?
Planen Sie früh, bündeln Sie Termine, stellen Sie Pläne und Entscheidungen bereit und vermeiden Sie kurzfristige Änderungen auf der Baustelle. Sparen sollten Sie nicht an Schutzmaßnahmen, Messungen und einer fachgerechten Dokumentation – diese Punkte zahlen direkt auf Sicherheit und spätere Wartbarkeit ein.